Die Fighting Game Community

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Gruppenfoto vom FFM Rumble 2015 mit internationalen Gästen wie EBI, Luffy, Poongko, Valmaster und Bonchan

Die Fighting Game Community ist eine eingeschworene Gemeinschaft, welche durch die Liebe zu „Prügelspielen“ zusammengehalten wird. Da die ausschlaggebenden Turniere und Treffen fast ausschließlich offline stattfinden, kennen sich auf Hardedge so ziemlich alle persönlich. Anders als bei E-Sports Titeln wie Dota 2 sind die Turniere normalerweise nicht von den Unternehmen organisiert, sondern von der Spielergemeinschaft. Daher sind die Einstiegsbarrieren sehr klein und früher oder später spielt man mal gegen jeden Spieler – auch gegen gesponsorte Profis die man nur von Streams her kennt – und geht mit ihnen was essen oder trinken. Einen abgesperrten „VIP Bereich“ gibt es auf so gut wie keinem Turnier – ausser der Evolution Champion Ship Series in Las Vegas. Aber auch da mischen sich die Profis normalerweise unters Volk und können zu einem Money Match herausgefordert werden.

Offline Philosophie

Gastbeitrag von Machomanmo

Ich habe im Laufe der Zeit sehr genau beobachtet, welche Art von Gamern sich für Fighting Games interessieren. Wer bereits Erfahrungen im Competitive Gaming gemacht hat, wird oft vom Fighting Game Genre magisch angezogen.

Dadurch, dass in der Regel eine gewisse Überschneidung zum vorherigen Spiel besteht, setzen viele Neueinsteiger dabei manchmal Dinge voraus, die für Fighting Games aber gar nicht zutreffend sind. Ein gutes Beispiel dafür sind PC-Spieler, die bisher Konsolen Spieler für Casual Gamer hielten und Anfangs oft verwundert darüber sind, wieso es etwa auf Turnieren Standard ist an einer Konsole zu spielen.

Das sicherlich größte Unverständnis aber ist das Offline Spielen.

Offline spielt es sich besser!

Aber warum sollte man sich eigentlich überhaupt noch im Jahre 2016 die Mühe machen, sich von seinem bequemen Chefsessel zu erheben, dutzende Kilometer weit zu fahren, nur um ein paar andere Nerds zu treffen, die man noch nie zuvor gesehen hat?

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Ein wichtiger Aspekt, den man immer überall liest ist sicherlich, dass Fighting Games derart zeitkritische Reaktionen erfordern, dass selbst die geringste Verzögerung sich gravierend auf das Spiel Erlebnis auswirken kann. Und das ist wahr:

Viele Manöver müssen in einem sehr kurzen Zeitfenster erfolgen, es bleibt so wenig Zeit zu reagieren, dass man nur mit sehr viel Training überhaupt an den Punkt kommt darauf überhaupt reagieren können.

Oftmals prägt man sich deshalb visuelle Bezugspunkte ein und eben genau das wird einem schnell zum Verhängnis, wenn sich diese visuellen Anhaltspunkte auch nur um einzelne Frames verzögern.

Aber neben dem technischen Aspekt gibt es noch einen viel wichtigeren zweiten Aspekt: dem Sozialen Aspekt.

Fighting Gamer sind sehr sozial

Ich sage es direkt vorweg: Ich bin in dieser Debatte ein bisschen voreingenommen, weil ich schon gespielt habe, als Offline noch nicht Offline war, sondern einfach der einzige Weg überhaupt mit anderen zusammen Videospiele zu spielen.Hessen-Crash-8

Ich kann natürlich akzeptieren, wenn jemand nur Online spielen will, aus welchen Gründen auch immer.

Die jüngeren Spielern, die in der heutigen Online Gaming Generation aufgewachsen sind, kennen es gar nicht anders. Ich möchte ihnen gerne vermitteln wie ich darüber denke – nicht etwa weil ich Sie zu irgendetwas bekehren möchte – sondern weil ich glaube, dass Sie eine ganze Menge verpassen könnten. Denn was gibt es schöneres als das eigene Hobby mit Gleichgesinnten zu teilen?

Das gilt doch eigentlich für jedes Hobby!

In der heutigen Zeit spielt man Multiplayer Videospiele in den allermeisten Fällen Online mit oder gegen andere Leute. Das bringt natürlich enorme Vorteile mit sich, da Multiplayer Spiele sehr viel zugänglicher für alles und jeden auf der Welt sind.

Aktuelle Games sind oft dermaßen auf Online Modi ausgelegt, dass es schlichtweg kaum einen Grund zu geben scheint die eigenen Räumlichkeiten zu verlassen.

Und auch soziale Interaktionen sind durch Features wie Voice Chats wie z.B. Teamspeak oder Skype problemlos möglich. So sollte man zumindest meinen!

Aber auf dem weiten Weg durch das Netz geht in Wirklichkeit eine ganze Menge verloren.

Es sind die sozialen zwischenmenschlichen Interaktionen,

Das was uns Menschen ursprünglich überhaupt erst dazu brachte zusammen zu spielen,

Der Urinstinkt mit anderen Menschen unsere Emotionen teilen zu wollen –

Das ist es, was wir in winzige Pakete zerstückeln und auf die große Reise schicken.

Kilometerweit über die Datenautobahnen unseres Planeten in nahezu Lichtgeschwindigkeit.

Und wenn all das, was uns als Spieler ausmacht, klein zerhackt, in Einsen und Nullen

bei unserem Gegenüber wieder zusammengesetzt wird,

dann ergibt sich daraus höchstens nur noch eine sehr grobe Imitation von uns.

Ein seelenloser Mitspieler ist das, was am Ende übrig bleibt.

Die Angst vor dem ersten Turnier ist unbegründet

Viele Anfänger haben vor ihrem ersten Turnier Ängste und Sorgen nicht richtig wahrgenommen zu werden – oder gar zu versagen.

Leider hält dieses Negativdenken Sie davon ab an Turnieren oder Offline Treffen teilzunehmen und Sie spielen lieber weiter online, obwohl Sie sich eigentlich sehr stark zur Community hingezogen fühlen.

Dieser Artikel soll dazu dienen allen, die sich angesprochen fühlen, diese Angst zu nehmen.

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Die Fighting Game Community ist nahezu einzigartig in der Art und Weise, wie unvoreingenommen Sie neue Spieler aufnimmt. Völlig unabhängig von Können, Geschlecht, Nationalität, Herkunft oder dem äußeren Erscheinungsbild – jeder der diese Spiele liebt ist sofort integriert und kann mitmachen.

Ich habe in den letzten sieben Jahren Fighting Games so viele nette, smarte und hilfsbereite Persönlichkeiten getroffen, wie noch nie zuvor.

Die Annahme, dass „Prügelspiele“ wegen ihrer „Gewalt“ oder wegen ihrer Wettbewerbsorientierung unsozial sind, oder nur von vorpubertären Jugendlichen gespielt werden könnte kaum unzutreffender sein.

Das Gegenteil ist der Fall: Fighting Game Spieler haben ein großes Interesse sich gegenseitig zu motivieren und helfen einander besser zu werden, tauschen Strategien aus, haben Spaß und lachen zusammen.

Ihr habt die Wahl

Das ist jetzt der Moment wo Morpheus euch die Wahl lässt: Die blaue Pille und alles bleibt wie es war – ihr kehrt zurück in den Online Modus und sucht verzweifelt nach dem nächsten lagfreien Ranked Match, in der Hoffnung, dass ihr nicht schon wieder auf diesen Rage Quitter trefft, der sich unrechtmäßig an eurem hart verdientem Fight Money bedient.

Oder die rote Pille und ihr lasst euch auf etwas Neues ein und euer Bewusstsein erweitert sich. Ihr entdeckt ein völlig neues Spielerlebnis, von dem ihr bisher noch nicht wusstet, dass es existiert.

Aber seid unbedingt gewarnt, es macht sehr schnell süchtig und für viele vor euch gab es danach so schnell kein zurück mehr in die Online Welt!