Wow, was war das wieder für ein Wochenende.Drei Tage abtauchen in eine Welt voller gleichgesinnter und salziger Hypemaschinen, Dream Dollars, Turnieren und einer Location, die man nicht einmal verlassen musste. Viel ist passiert, viel wird in Erinnerung bleiben und über vieles wird man noch seinen Enkelkindern erzählen. Doch erst einmal der Reihe nach…

Während die Welt sich dieses Wochenende auf den 14. Jahrestag des wohl berühmtesten Anschlags in der Menschheitsgeschichte vorbereitet und Dokus im Fernsehen den Schmerz und Hass der Hinterbliebenen porträtieren, gibt es eine Gemeinde im deutschsprachigem Raum, die diesem Termin mit der größten Vorfreude, Ungeduld und Sehnsucht entgegensieht: Die gesamte Fighting Game Szene aus Deutschland und Österreich.
Dieses Wochenende findet nämlich die Fortsetzung des erfolgreichen Dreamolition Derby 1 statt. Während das Debüt-Event noch über zwei Tage ging, konnte es sich das Team um Prinny, Nyappy, Shuriken, GRA und Struc nicht nehmen lassen einen draufzusetzen und ein neues Konzept, ein Fighting Game Festival, ins Leben zu rufen.
Die Vorteile: Kein zeitintensives Venue-Hotel Hopping mehr, keine Suche nach essbaren Alternativen um den Tag zu überstehen und dieses lästige Rausreissen aus dem Fighting Game Paradies in die…nun ja…Realität.

Stattdessen ist die neue Location eine Jugendherberge, die einem eine Vollverpflegung in verschiedenen Varianten zur Verfügung stellt. Die Frage um Essen, Schlafplätzen und sonstigen Problemen wird so auf einen Schlag gelöst.
Das Konzept ist neu, natürlich ist man als Turnierorganisator bei diesem Experiment nervös, doch die Teilnehmerzahlen sprechen eine eindeutige Sprache:
Über 120 Teilnehmer (mehr als doppelt so viele wie beim DD1) haben sich angemeldet. Diesmal sind unter den bewährten Spielen wie SF4, MVC3 oder GG XRD auch Smash dabei, welches neue Spieler anlockt.

Zu den Merkmalen des Dreamolition Derby zählt das Ziel der Orga, nicht nur den alteingesessenen Turnierspielern ein unvergessliches Wochenende zu bereiten, sondern auch allen anderen einen Grund zum Wiederkommen zu geben. Neben der berühmten Parallelwährung Namens Dream Dollar (Wechselkurs 1:1,21 zu Euro, Stand. 12.09.15 14:34), vielen Sachpreisen, viel Hype und Salz gibt es am Freitag sogar die Möglichkeit SF5 zu spielen.
Kurz: An diesem Wochenende wird die reale Welt für 3 Tage ausgeblendet.

Objekt der Begierde

Objekt der Begierde

YouGenius und ich verinnerlichten nach mittlerweile 5 Jahre Turniererfahrung unsere Vorbereitung:

Turnieranmeldungen nach starken Gegner analysieren, Schlafplatz organisieren und etwas Seed-Mobbing betreiben. Am Freitag wird Wasser, Alkohol (falls man am Samstag schon aus dem Turnier ausscheidet), Shisha und selbstgemachtes Essen eingepackt und los geht’s.
Nach mehreren Baustellen, ein halbes Dutzend Versuchen auf der Autobahn ein Eis von McDonalds zu besorgen und einer Verzögerung der Ankunftszeit von 1,5 Stunden kommen wir in Dachau an.

Normalerweise freut man sich bei der Einkunft in der Venue den Spielern und Orga Hallo zu sagen. Doch dieses Mal gibt es SFV zu spielen und die freundlichen aber strengen Blicke von Struc, Nyappy und Prinny deuten an, dass wir nicht sofort zur Mainhall an die SFV Station dürfen, bevor wir uns ordnungsgemäß registriert haben. Also stellt man sich brav an und wartet bis man dran ist um sich anzumelden. Als Turnierveteranen haben wir uns mittlerweile viel Geduld antrainiert und… ACH VERDAMMT, WARUM DAUERT DAS SO VERDAMMT LANGE? ICH WILL SFV ZOCKEN.

Wir bekommen die Badges die wir „gebucht“ haben: „Bnb dropper“. Ich hoffe das gibt kein schlechtes Omen. Während ich das schreibe erinnere ich mich wie ich im Losers Final mindestens eine Bnb gedroppt habe. Neues Level von Excuses erreicht.

Registrierung abgeschlossen, Dream Dollars abgeholt und rein zur SFV Station.
Nach dem Spielen einiger SF5 Matches darf ich bei Paul, der von Capcom die SF5 Stations gestellt bekommen hat, Feedback über SFV abgeben. Diese Chance nutze ich um Capcom für die tolle Arbeit und Herangehensweise zu geben, die sie mit SFV abliefern.
Vor allem aber nutze ich die Chance einen Kritikpunkt zu nennen der mir sehr wichtig ist in Bezug auf das Combosystem (die Wiener bitte diesen Teil überspringen): Light Normals sind nicht linkbar in Medium/ Hard Normals.
Leider vergessen einen Rematch Button für online Modus zu fordern.
Danke nochmal an dieser Stelle an Paul der extra den weiten Weg auf sich genommen hat um das Event mit SFV zu versorgen.

Langsam trudeln auch die letzten Spieler ein. Es wird voller und man fühlt sich schnell wohl unter all den bekannten Gesichtern und denen, die man noch kennenlernen wird. Die Aufwärmmatches neigen sich nach einigen Stunden dem Ende zu und man geht zu dem über was man am besten kann:
Raus gehen, Bullshit quatschen und draußen Bier trinken bis man verscheucht wird um drei Meter daneben weiterzumachen… Leben am Limit und so.
Am ersten Abend geht es nach einem lockeren, familiären Zusammentreffen mit alten und neuen Bekannten für uns zu Toptier Gastgeber Stepe für Salty Suit Shisha Matches womit sich der erste Tag zu Ende neigt.

Übermüdet geht es in den 2ten Tag (was war in der Shisha drin?)
Zu den Maingames Street Fighter, Marvel und Guilty Gear gesellten sich Smash, Mortal Kombat X und Third Strike. Neben den bewährten Besucher der Turniere wurde das Event durch die beiden Cosplayerinnen von LaBoom Cosplay aufgewertet. Somit gab es für die männerdominierende Fighting Game Szene eine angenehme Abwechslung fürs Auge. Gerne wieder.

Zur Abwechslung was fürs Auge

Zur Abwechslung was fürs Auge

Street Fighter wurde bis zu den Top 8 gespielt. Viele Matches laufen wie gewohnt ab, jedoch gibt es einige Überraschungen zu verzeichnen. So qualifiziert sich der Turnierneuling VT Makotogatari unerwartet mit seiner starken Makoto in die Top 8 und sein Buddy Guggenmamol (wer denkt sich solche Namen aus?) eliminiert viele gefürchtete Wiener auf seinem Weg durch das Loser Bracket (er war ein Grund wieso das Loser Bracket das „Wiener Bracket“ genannt wurde) bis ihn iPlay Sheva äußerst knapp am Einzug in die Top 8 hinderte.
Während FM Yosh und MDZ Ricky im Winner Bracket auf der Stream Station ihren Einzug in die Top 8 bestreiten, spielen sich nur zwei Meter daneben unglaubliche Szenen ab. Die Wiener Hoffnung Namens Chargi kämpft im Wiener..ähm… Loser Bracket gegen FM Fehringer, der sich souverän das erste Match holt und kurz davor ist, auch das zweite Match für sich zu entscheiden. Die Zuschauer wenden sich von dem Stream ab und versammeln sich unter lautem Gegröhle um die beiden Kontrahenten, die nicht zum ersten Mal aufeinander treffen.
Das Match nimmt seinen Höhepunkt als FM Fehringer das Match mit überdeutlichem Lifelead Vorteil langsam für sich entscheidet und Chargi einen entscheidenden Fehler begeht, den Fehringer mit Leichtigkeit bestrafen muss, um den Sieg für sich zu entscheiden. Jedoch drehen die Nerven des T-Hawk Spielers wie die Eingabe seines Command-Throws durch und nur eine höhere Macht kann erklären, wie Fehringer diesen Punish, diese Runde mit so viel Lifelead und das letzte Match noch abgeben kann. Chargi nutzt seine Chance und wie eine Mutter, die ihr Kind unter einem eingeklemmten Auto hochheben muss, entwickelt seine Ibuki ungeahnte Kräfte und holt sich nicht nur die letzte Runde, sondern auch das nächste Match.

Abends, nachdem die Sonne untergangen ist, wurden der Hype, der bei SF4 nur ansatzweise vorhanden war, in dem letzten Game des Abends freigelassen.
Im Third Strike Winners Final wartet der Wiener Favorit Dikodesu auf den Überraschungsgegner iPlay Demulant. Das erste Match geht an Diko, der zurzeit in Top Form ist. Als auch im nächsten Match die erste Runde an den Wiener geht, scheint alles wie von allen erwartet seinen Lauf zu nehmen. Doch Demulant holt sich die nächste Runde und mit simplen Basics und Mixups kann der Underdog das zweite Match für sich entscheiden. Spätestens hier ist die Menge Feuer und Flamme und jeder Schlagabtausch wird von der Menge mit ohrenbetäubenden Lärm kommentiert.

Demulant hält weiterhin gut dagegen, aber gegen den erfahrenen und execution-sicheren Diko reicht es am Ende nicht aus. Auch wenn der Underdog verloren hat, so hat das Match viele Nicht-Third Strike Spieler von ihren Casuals losgerissen und mitfiebern lassen (ja short, short into Super reicht um SF4 Spieler zu beeindrucken).

Demulant verliert gegen den Favoriten und muss im Losers Final gegen Dino ran. Dino zeigt jedoch mit seinem Dudley das Demus Fundamentals aus alten Zeiten alleine nicht ausreichen und besiegt diesen souverän.
Nun spielen Diko und Dino im Grand Final. Der siegessichere Diko, der noch auf der Winner Bracket-Seite steht, ist von seinem Turniersieg überzeugt und spielt mit Sean, einem Charakter, der nicht für seine Top-Tier-Qualitäten bekannt ist. Somit resettet Dino das Bracket und obwohl Diko zu seinem Main wechselt, hat der Favorit nicht genügend Zeit zu adapten und Dino holt sich mit seinem Dudley den verdienten Sieg.

Applaus für Third Strike

Applaus für Third Strike

Zu diesem Zeitpunkt ist man leicht hinter Zeitplan, doch das traditionelle Teambattle zwischen den rivalisierenden Dojos aus Wien und München darf auf keinen Fall abgesagt werden. Also versucht man das 5vs5 Battle so leise wie möglich umzusetzen, um keinen Besuch von der Polizei zu erhalten. Schon vorher wusste jeder, dass es nicht klappt, aber die Besucher vertrauten auf ihr Glück und die Polizei blieb aus. Diese Version des Dojo-Battles geht an die Wiener trotz des angetrunkenen Vollstreckers Yosh, dessen Technik im Stile des Drunking Boxing durch einige Promille aufgewertet wurde .

Der Sonntag wird ehrenvoll gestartet indem die Mainhall vergrößert wurde. Die letzten drei Games stehen an und auch hier gibt es einige Überraschungen. In Marvel kämpft Benkill sich im Loserbracket durch, bis er auf seinen Bezwinger aus dem letzten Turnier Chargi trifft. Benkill scheint die Niederlage nicht vergessen zu haben und setzt sich souverän durch. Der Deutsche mit dem Underdog-Team kämpft sich weiter bis zum Loser-Finals, wo er zuerst Phoenixman und anschließend King Rasta im Losers Final knapp bezwingt..
Nun trifft er im Grand Final auf Budget Player Cadet, wo es zwar Hoffnung auf ein Reset gibt, doch trotz des anfänglichen, ausgeglichen Schlagabtauschs kann sich Budget Player ohne ein Reset stark dominierend den Titel holen und Benkill darf leider eine weitere Silber-Medaille zu seinem „2. Platz-Trophäenschrank“ dazustellen.

Anschließend begannen die Top 8 des USF4 Turniers. Während es bei den Loser-Bracket Begegnungen einigermaßen offen war, gab es von vornherein im Winner-Bracket nur noch die Frage, wer denn die Team-Begegnung Halibel vs Demulant siegreich davontragen wird. Interessant wurde es höchstens wie das „Mirror-Match trotz unterschiedlicher Charaktere“ (Zitat Struc) zwischen den Zwillingen Sheva und YouGenius ausgehen wird.
So verlief die Begegnung aus der Perspektive des jeweils anderen:

Sheva:

Die Begegnung dominierte ich ganz klar über alle drei Matches. Jedoch konnte YouGenius der Lucker aufgrund unglücklicher Fehler von meiner Seite das Match irgendwie holen und der bessere Spieler muss ungerechter Weise aus dem Turnier ausscheiden.

YouGenius:

Das erste Match konnte ich mit Leichtigkeit für mich entscheiden. Da ich aber nicht wollte dass das Event so schnell zu Ende geht und Sheva nicht so schlecht dasteht, entschied ich mich ihn das zweite Match gewinnen zu lassen. Habe Sachen schlecht bestraft und Combos gedroppt. Hoffe die gewollte Niederlage war nicht zu deutlich. Um es spannender zu machen, verlor ich die erste Runde im dritten Match um anschließend zwei Runden in Folge zu gewinnen und die Begegnung für mich zu entscheiden.

YouGenius gewinnt anschließend in einer Footsie dominierten Partie gegen Yoshs Elena und muss sich anschließend deutlich dem Sagat von Demulant im Losers Finals geschlagen geben.
Und damit bekamen die Zuschauer etwas zu sehen was sie noch nie gesehen haben, etwas, das nur einmal in einem Jahrhundert passiert:

Ein Grand Final zwischen Halibel und Demulant!!!!

Diese Begegnung gewinnt Halibel in der gefühlten 27. Auflage des deutschen G(r)ähn-Final über Demulant womit der Sonntag fast beendet ist. Die Matches waren wie gewohnt erstklassig und auf höchstem Niveau. Nur der Hype hielt sich in Grenzen aufgrund der mittlerweile wohlbekannten Grandfinal Konstellation.

 

Die SF4 09er Generation vereint

Die SF4 09er Generation vereint

Bevor die Dream Dollar-Challenge anfängt gibt es noch eine neue innovative Idee der Dreamolition Crew: Es wird ein Award für jemanden aus der Community vergeben. Ohne lange zu überlegen denken wahrscheinlich fast alle Teilnehmer an denselben Kandidaten und die längst fällige Auszeichnung für sein Engagement und Hobby wird an HLCWS aka Healing Care aka David verliehen.
Mit seinen hochwertigen Bildern und Videos fängt er seit Jahren die Momente jedes Events ein, die alle Teilnehmer auf Ewigkeiten in Erinnerung behalten werden.

Die Dream Dollar Challenge beendet traditionell das Event und es wurden diesmal zusätzlich noch Preise verlost. Wie bei jedem Event verabschieden sich die Teilnehmer von einander und treten ihre Reise zurück in die Realität ein.

Zum Abschluss noch ein Bild für all diejenigen, die hungrig auf das nächste Event sind….

Barbeceu

Bis zum nächsten Dreamolition Derby im Jahr 2016!