Auch wenn der Thread Mindset heisst, wurde hier bisher mehr darüber geschrieben in welche Richtung ein Mindset gehen sollte, aber es wurden kaum direkte Mindsets gezeigt.
Ich möchte hiermit ein Mindset von mir teilen welches nicht nur in FGs sondern im Leben Vorteile bringt.
Um es kurz zu machen würde ich es so nennen:

Wer sucht, der findet!

Das ist eines dieser kleinen Lebensweisheiten die jeder schon mal gehört hat. Aber wer kann ihren ganzen Umfang erahnen bzw lebt nach diesen Weisheiten?
Ausgangssituation. Man hat ein Problem. Automatisch wird eine Lösung gesucht.
Es tauchen unbewusst Fragen auf die helfen sollen eine Lösung zu finden.

Typische Beispiele:
1)
Gegner vermöbelt mich in der Ecke.
Frage: Wie kann ich meine Defense in der Ecke verbessern?
Antwort: Defense verbessern. Im trainmode, mehr spielen etc

2)
Gegner ist random in der Defense.
Frage: Wie kann ich seine random reversals baiten?
Antwort: Besser baiten, Mindgames verbessern, etc
Usw…

Und diese Fragen behindern uns bei der Suche nach der Lösung.
Warum?
Mal kurz drüber nachdenken…

Wer nicht drauf kommt, hier ein schönes Beispiel von meiner TH:
Die Studenten beschweren sich schon lange über den Mangel an Parkplätzen.
Um die TH herum sind Wohnviertel und die sind auch vollgeparkt.
Die Studenten sind an einer Lösung interessiert und fragen:
„wie kann man neue Parkplätze schaffen?“
Man denkt über ein Parkhaus nach. Doch nachgerechnet kommt man auf den nüchternen Entschluss, dass es billiger sei jedem Studenten die Taxifahrt zur TH und zurück zu bezahlen anstatt ein neues Parkhaus zu bauen.
Schwierige Situation…wenn man fragt „wie man neue Parkplätze schaffen kann“.

Es stellte sich jedoch heraus dass die meisten Parkplätze gar nicht von Studenten sondern von Pendlern belegt sind, da der Bahnhof 5 Minuten von der TH entfernt ist.
Lösung ist ganz einfach. Studenten kriegen kostenlos im Sekretariat einen Parkausweis und nur mit dem kann man um die TH herum parken.

Das Problem in der Ausgangsfrage ist jedoch, wie man neue Parkplätze schaffen kann.
Und wenn man diese Frage so stellt, kommt man gar nicht auf die optimale Lösung.

Bedeutet, allein durch die Formulierung der Frage, hat man sich in der Antwort eingeschränkt und sich selber limitiert.
Jede Frage die man stellt, sollte keine Richtung vorgeben sondern die Antworten so offen wie möglich lassen.

Dadurch wird man jeden unterschiedlichen Lösungsweg absuchen können und findet vielleicht Wege bzw Lösungen, die man gar nicht auf dem Radar hatte.
Und im Grunde will man genau das finden. Eine Lösung die man vorher gar nicht kannte.

Zurück zu den 2 Beispielen:
1.
Wenn der Gegner uns in der Ecke vermöbelt, könnte ich fragen:
Wie kann ich diese Situation besser handhaben?

  1. Defense verbessern im Trainingsmodus (das wäre die einzige Lösung auf die ursprüngliche Frage)
  2. Ich sollte mich nicht selber in die Ecke positionieren
    (Ich in der Ecke, von mir backthrow anstatt throw,
    Gegner in der Ecke, dann sollte ich den Jump in vorne treffen, nicht cross up)
  3. Ich sollte schon midscreen im footsiegame aufpassen dass ich mich nicht in die Ecke drängen lasse

2.
Gegner ist random in der Defense.
Wie muss ich gegen diesen Spielstil spielen?

  1. Besser baiten (das wäre die einzige Lösung auf die ursprüngliche Frage)
  2. Ich sollte meine Stärken dort ausspielen wo ich seine randomnes kontrollieren kann
    (zb Midgame, poking etc)
  3. Weniger Risiken eingehen und das Risk Reward Verhältnis verstärkt beachten.

An diesen Beispielen sieht man, dass wenn ich die Frage ändere, ich auch mehr und vor allem andere Lösungsansätze bekomme.
Natürlich sind Punkt 2 und 3 in beiden Antworten nur sekundäre Hilfen.
Punkt 1 ( Defense und besseres baiten) würden bei richtiger Durchführung den größeren Nutzen erbringen, trotzdem sind es oft die Kleinigkeiten wodurch man verliert.

Im Beispiel mit der TH hätte die bessere Frage lauten können:
Wie können die Studenten Parkplätze bekommen (wobei ich hier ein optimale Frage selber als schwierig erachte)?
Denn durch die Wörter „neu“ und „schaffen“ wird die Lösung blockiert, dass die Parkplätze möglicherweise schon da sind und man richtet die Lösung auf das erschaffen/ bauen neuer Parkplätze.

Da ich viel Wert auf Tipps und Beispiele lege anstatt nur Theorie zu erzählen, hier eins von mir:
Rolento, einer der neuen Dreckscharaktere.
Ich merke er kann mich anspringen und ich kann nicht

  • antiairen (normals)
  • antiairen (air to air)
  • antiairen ( special move)
  • nicht mal Focus backdash kann ich machen

Was ist das für ein Drecksmatchup, denke ich mir.

Also gehe ich weg von der Frage:
„Wie kann ich ihn antiairen“ zu „Wie kann ich  das Matchup verbessern“?
Und ich merke, ich kann ihn auch anspringen und er kann mich nicht antiairen.
Und damit habe ich auch nicht gerechnet, während ich nach Antiairs gesucht habe…..

Daher wenn ihr ein Problem habt, hinterfragt immer eure Fragen die ihr im Kopf habt. Denn die Fragen entstehen unterbewusst und sind einfach da. Man merkt gar nicht dass sie einen blockieren.
Das ist auch verständlich, da die Antwort außerhalb unseres Wissens ist.
Am besten die Frage mit einem „Wie“ beginnen lassen und auf die Gesamtsituation beziehen.
Und wer unsicher ist, fragt: „Wie kann ich die Gesamtsituation verbessern“?
Das ist nie verkehrt.

Zum Schluss ein kleiner Tipp für Real life Kommunikationen da es zum Thema passt:

Fragt nicht:
War der Film/ die Party/ das Wochenende gut?
Besser ist:
Wie war der Film/ die Party/ das Wochenende?

Merkt man den Unterschied?