Egal ob Wäscheklammer um die Schultertasten, Turbo auf allen Schlägen oder Select neben LP: Spieler heutzutage werden immer kreativer um aus ihrem Eingabegerät den größtmöglichen Vorteil herauszuholen. In der Arcade ist das nicht möglich, denn dort ist das Eingabegerät fest verbaut und man muss sich mit eingeklemmten Knöpfen, schwammigen Sticks oder schlechter Ergonomie abfinden. Linkshänder oder Padspieler gucken dabei in die Röhre. Von daher bieten Heimkonsolen die ideale Basis für Spieler, die ihr Eingabegerät verschönern oder verbessern möchten.

Natürlich sind dem Einfallsreichtum auch Grenzen gesetzt, denn bei einem Turnier geht es um das  Können im Spiel, nicht in der Werkstatt oder Entwicklungsumgebung. Daher sind programmierte Knöpfe auf dem Eingabegerät üblicherweise verboten:

  • Turbo: Der gleiche Knopf in schneller Abfolge
  • Macro: Eine Abfolge von Knöpfen

Erlaubt hingegen sind der Ergonomie dienende Modifikationen:

  • Austausch von mechanischen Komponenten: Joysticks, Knöpfe, Microschalter (Seimitsu vs Sanwa vs Crown)
  • Bestehende Knöpfe verschieben oder anders andordnen: Select-Knopf bei Street Fighter IV für universelles Priority-Linking)
  • Mehrfachanbindung desselben Knopfes: Ersetzt Double Tapping

Bei der Evolution Championship Series lautet die Formulierung im Regelwerk wie folgt:

  • All macros available via the in-game controller configuration menu are allowed.
  • Hardware programmable input entry, rapid-fire, or other hardware assisted mechanisms are strictly forbidden.

Beim Final Round 17 zog der Ultimate Marvel vs Capcom3 Spieler Full Schedule nach einem überzeugenden Sieg gegen den allseits bekannten Abraham „GoldenBoyNeo“ Sotelo und Turnierfavorit Ryan „RG Filipino Champ“ Ramirez Aufmerksamkeit auf sich: Neo beschuldigte ihn einprogrammierte Combos zu nutzen.

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Diese Anschuldigung stellte sich im Nachhinein als unwahr heraus. Das modifizierte Layout von FullSchedule sieht zwar mehr Knöpfe vor als der Auslieferungszustand, nutzt jedoch keine Automatismen/Logik/Intelligenz. Zum Einen nutzt er das sogenannte Chris Schmitt Layout für vereinfachte Karadashes (H~LMH), zum Anderen hat er 2 Diagonale auf einzelnen Könpfen über dem normalen Achterblock.

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Das Ziel ist es,  Jumpcancels zu vereinfachen. Dabei gibt er die ursprüngliche Motion mit dem Stick links ein und beendet mit RU + H (Rechts-Oben + H). Dadurch muss er nicht beide Hände koordinieren, um zeitgleich Attacke+Sprung zu treffen, sondern kann mit zwei Fingern derselben Hand arbeiten. Anwendung findet dies beispielsweise beim „Viperball“: Burnkick-Feint in Superjump.

Dieses Layout wurde vom Gründer der Evolution Championship Series MrWizard bereits vor mehreren Monaten abgesegnet.

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Im Nachgang revidierte MrWizard jedoch diese Entscheidung. FullSchedule durfte seine Siege und Platzierung behalten, musste jedoch ohne die zusätzlichen Knöpfe weiterspielen. Auch für Evo gibt es nun ein Statement:

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Allerdings bleibt fraglich, ob diese Entscheidung nun bestehen bleibt.

Nach aktuellem Stand muss man sich wohl damit abfinden, dass nur einzelne Richtungen auf Knöpfe gelegt werden dürfen. Hitbox oder Keyboard Layout würden weiterhin erlaubt bleiben. Allerdings gibt es, zumindest in UMVC3, faktisch keinen Unterschied, ob Oben-Rechts, Oben-Links oder nur Oben auf einem Knopf liegen.

Keits hat für UFGT10 angekündigt, diese Art von Modifikation zu erlauben:

Hardware Button Binds, so long as they trigger all of their inputs on the same frame, will be allowed at UFGT10 and any of my future events.“

Übersetzung: Knöpfe per Hardware zu belegen (hart verkabeln) ist bei UFGT10 und jedem zukünftigen Turnier erlaubt, wenn alle Eingaben im selben Frame erzeugt werden.

Er begründet wie folgt:

We should obviously never allow any device that allows impossible behavior to be exploited in-game.

Übersetzung: Wir sollten offensichtlich kein Gerät erlauben, welches es ermöglich, unmögliches Verhalten im Spiel auszunutzen.

Wie dem auch sei, FullSchedule hat dieses Wochenende mit Glanzleistungen gezeigt, was in ihm steckt. Auch ohne Zusatzknöpfe lässt er Justin Wong alt aussehen.

Weiterführender Link zu B-Linking

In einem längeren Video äußert sich FullSchedule zu den Anschuldigungen und erklärt die Funktionsweise seines Sticks, mit anschließendem Q&A