Nachdem die letzten beiden Interviews zwei „alte Hasen“ vorstellten, stand diesmal wieder ein TR-Mitglied Rede und Antwort: TR Sheva. Vielen Dank auch wieder an hlcws, dessen Fotos wohl immer wieder hier Verwendung finden werden. Er ist halt auf allen wichtigen Events anwesend und mittlerweile ist seine Seite Gosuland die Quelle für Bilder von Fighting Game-Events (und das nicht nur für deutsche Events).

 

Gerade vielen SF4lern wirst du ein Begriff sein, aber stell dich doch mal vor.

TR_Sheva

TR Sheva

Hey, mein Nickname ist TR Sheva, im richtigen Leben heiße ich Alex. Ich komme aus einem Dörfchen 60 km von Frankfurt entfernt, studiere aber in Kassel im 6. Semester Wirtschaftsingeieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau. Das TR vor dem Namen steht für Team Rookie. Das Team haben mein Bruder und Halibel im Jahr 2011 gegründet. Das Lustige daran ist, dass ich davon als letzter erfahren habe. Unter der Woche bin ich in Kassel, an den Wochenenden häufig bei meinen Eltern. Als ich wieder in Kassel ankam, öffnete ich Hardedge um zu schauen was es so neues gibt. Da sehe ich dass ein gewisser TR Halibel (vorher Espada Halibel oder so) was geschrieben hat. Ich dachte mir nur: „Wer ist denn TR Halibel und wieso klaut er Espadas Namen?“. Naja, seine Signatur hat mir dann mehr verraten. Da stand dass er „ein stolzer Member von Team Rookie ist, mit TR Yougenius und TR Sheva“. Aha, alles klar Jungs…Danke das ich auch gefragt wurde 8| . Achso, meinen Namen haben sie vorher auch noch verändert: Vorher SaschaSheva, jetzt TR Sheva. Naja, klingt auch irgendwie cooler ;). Achso, und Sheva heiße ich nach meinem damaligen Fussballspieler: Shevchenko, und sein Spitzname war: Sheva!
Ich spiele gerne Fussball, aber zuschauen finde ich dann doch eher langweilig. Was mich schon seit fast 4 Jahren interessiert ist NLP, alles was mit Kommunikation zu tun hat, Persönlichkeitsentwicklung und das Übliche: ausgehen, Kino, neue Leute kennenlernen etc.

 

Wie bist Du zu Fighting Games gekommen?

Ich hatte schon seit ich klein war eine Konsole: SNES, Game Boy, PS1, PS2, PS3 und Xbox 360. Gezockt habe ich mit meinem Bruder schon immer, damals alles mögliche und darunter waren auch Beatem Ups wie Street Fighter, Bloody Roar 2 und Tekken. Bestimmt haben wir auch andere Beat ‚em Ups gezockt, aber das waren die wo wir auch mehr Zeit investiert haben. Mit Street Fighter kamen wir sehr früh in Kontakt. So wie fast jeder als kleiner Junge schon mal Street Fighter gespielt hat oder wenigstens weiß, was das ist. Deshalb war uns auch klar, dass wir uns das neue Street Fighter 4 holen wenn es endlich rauskommt.
Davor haben wir aber auch Tekken oder Bloody Roar meist gegeneinander, aber ab und zu auch gegen Freunde gezockt. Meistens immer nur ’ne viertel bis halbe Stunde am Tag. Meistens auch deshalb, um zu entscheiden wer den Rasen mäht oder die Waschmaschine ausräumt (und mit Street Fighter werden immer noch genauso wichtige, existenzielle Fragen bei uns geklärt).
Damals waren wir zwar besser als unser Freundeskreis, aber das wars auch. Combos lernen oder ein tieferes Spielverständnis taten bzw. hatten wir nicht, weil wir es ja einfach nur gezockt haben. Woher sollten wir schon wissen das es mehr gab. Wir haben erst seit 2010 DSL, mit einem Modem macht es einfach keinen Spaß ein Forum zu besuchen. Jeder Klick bedeutet ein neues Geduldsspiel.
Dadurch dass unsere Modem-Verbindung das Onlinespielen nicht zugelassen hat und unsere Offline-Freunde nicht gut waren, haben wir uns wie die Kings in dem jeweiligen Game gefühlt. Ich meine, wer konnte uns schon besiegen? Keiner! Das hat sich alles geändert, als wir 2010 DSL bekamen und auf unserem ersten Offline-Turnier in Street Fighter 4 teilgenommen haben.
Hui…haben wir auf den Sack bekommen :whistling: . Da habe ich zum ersten mal überhaupt bemerkt, dass es Combos in Street Fighter gibt :thumbsup:

 

Was beeinflußt deine Charwahl?

Erst mit Super Street Fighter 4 habe ich meinen absoluten Lieblingschar gefunden: Cody. Für mich muss ein Char etwas haben, was ihn cool macht. Nicht nur sein Spielstil muss zu mir passen, sondern auch das Drumherum. Cody ist ein Badass Motherfucker, er ist cool und hat für mich als einziger vom gesamten Cast so etwas wie Sexappeal. Ich Cody aber auch schon von vornerein favorisiert, da er eine FADC-Combo into Ultra hatte. Als ich ihn mit einem Auge schon beobachtet, habe war meine Technik noch sehr schlecht. So schlecht, dass ich FADC into U1 mit Ryu nicht hinbekommen habe. Aber ich wollte doch unbedingt die coolen Combos von Daigo oder die von Demulant aus den Turnieren auch können!! Also übte ich diese im Trainingsmodus bis es endlich so cool aussah wie in den Videos. Da Ryu mich aber nicht ansprach, wollte ich genauso coole Combos mit einem anderen Char hinkriegen. Und in dem neuen Cast gab es nur einen, der mich ansprach und genauso eine coole Combo draufhatte: Cody :love:
Cody ist ein Angriffsmonster, was sehr zu mir passt. Ich bin einfach nicht sehr geduldig. Wenn ich dann auch noch Counterhits lande (was das Ziel von Cody’s Angriffsgame ist), dann erfüllt mich diese gelbe Schrift am Bildrand, die mir gerade sagt dass ich dem Gegner eins reingewürgt habe, jedes mal mit großer Freude. Dem Gegner Counterhits zu verpassen wird einfach nie langweilig für mich :P. Ich glaube, ich würde SF4 nur sehr halbherzig oder gar nicht spielen, wenn es Cody nicht im Cast geben würde.

 

Warum ist dein Maingame dein Maingame?

Ich finde dass Street Fighter 4 zu den Beatem Ups gehört, die „easy to learn, hard to master“ sind. Ich mag es zwar nicht wenn ein Spiel viel zu einfach ist, aber wenn man ohne jegliche Vorkenntnis von Bemus 100-200 Stunden braucht um die Basics zu lernen, wie zum Beispiel Combos, dann finde ich es falsch. Wozu erst 150 Stunden investieren um das Spiel richtig spielen und verstehen zu können? Je leichter der Einstieg, deso eher kann man in die Tiefe des Spiels gehen. Ich habe früher viel PES (Pro Evolution Soccer) gespielt und habe sogar bei Turnieren mitgemacht. Dort braucht man (wie bei Fifa) nur ein paar Tasten um zu flanken, schießen und zu passen. Sowas lernt man schnell und man kann sich schon von Anfang an darauf konzentrieren, das richtige Game zu lernen.
Ähnlich ist es bei Street Fighter. Es hat nicht viele Gimmicks oder eine sehr flexible Spielmechanik. Aber aus dem bischen was es hat, kann man sehr viel anstellen.
Man kann, im Gegensatz zu anderen Bemus, schnell die Basics lernen und dann anfangen das Spiel erst richtig zu spielen. Wer ein Bemu zockt, ohne die Basics zu kennen (in SF4 sind es für mich Combos, AA und Geduld) der zockt das Bemu nicht wirklich. Er spielt nur an der Oberfläche herum. Was für mich aber wohl der entscheidenste Grund ist (und auch der Grund, wieso ich keine anderen Bemus zocken werde): Die hohe Spieleranzahl. Mir macht nicht nur das Spielen Spaß, sondern spielen, besiegen und besser werden. Wenn ich nur 10 Gegner in Deutschland habe gegen die ich spielen kann, dann würde das Spiel für mich sehr langweilig werden. Deshalb würden erst dann andere Bemus für mich in Frage kommen, wenn dort eine hohe Spieleranzahl vertreten wäre. PES war mein Maingame vor Street Fighter. Da es viele meiner Freunde zockten, einige davon gut, wollte ich in beiden Games gut sein. Ich habe versucht die goldene Mitte zu finden, aber da PES mit jedem Jahr schlechter wurde und die Community bei PES nur aus *politisch nicht korrekte Bezeichnung* bestand (okay, ich habe auch nur bei den Turnieren in Frankfurt teilgenommen), habe ich mich von PES abgewandt und angefangen nur noch Street Fighter zu spielen. Seitdem ich intensiv Street Fighter spiele, habe ich so gut wie keine anderen Games mehr gezockt. Ich investiere meine Zeit lieber in mein Maingame, anstatt ein Single-Player-Game durchzuspielen um es danach nie wieder zu spielen.

 

Erzähl uns von deinem bisher bewegendstem Match, egal ob Turnier oder extrem beeinflussende Casuals.

Puuh, in den letzten Jahren habe ich sehr viele gute Erinnerungen an Erlebnisse und Matches gesammelt. Eins davon hat YouGenius in seinem Interview schon erzählt, als wir den Namen Team Rookie das erste Mal auf einem Turnier benutzt haben, belächelt wurden aber dann nur wir die letzten Deutschen im Winner Bracket waren (MaxDamagermany 2011).

Mein bestes Gamingerlebnis war der Sieg über Tokido beim DUC 2012. Einer der besten Spieler der Welt reiste zum ersten mal nach Deutschland, dem Land in dem von außen hin anscheinend keine guten Bemu-Spieler beheimatet sind. Deutschland ist im Vergleich zu Frankreich oder England sehr schwach besetzt und andere Länder wie Holland oder Belgien konnten sich einen Namen machen, aber noch nicht Deutschland. International steck(t)en wir noch in den Kinderschuhen.
Also war es eine große Sensation, dass einer der besten SF4-Spieler nach Deutschland kommt. Auch wenn Ryan Hart und Starnab anwesend waren, war allen klar wer das Turnier holen wird.
Auf einmal passierte im Winners Bracket eine Überraschung: Tokido flog 1:2 gegen den deutschen Guy-Spieler Elwood Blues raus. Es war eine Überraschung mit der keiner gerechnet hatte und jeder freute sich, dass ein deutscher Spieler einen so guten internationalen Spieler ins Loser Bracket schicken konnte. Für mich war dies schon das Highlight bei dem Turnier.
Ich mußte im Losers gegen Halibel spielen. Er hatte aber keine Lust mehr auf das Turnier, weil er die Lust verloren hatte mit Cammy zu spielen. Ausserdem hatte Tokido ihm, wie auch mir, einen Tag vorher sehr böse auf die Fresse gegeben. Da der Sieger von uns beiden gegen Tokido ran mußte und Halibel keine Lust hatte und sich selber keine Chancen erhoffte, ließ er mich vor. Vor allem, da er wußte wie verrückt ich mich auf das Turnier vorbereitet hatte.
Ich mußte also gegen Tokido ran! Eigentlich sollte das Match Off-Stream gespielt werden, ich konnte aber den Coordinator (sorry, habe deinen Namen vergessen :P) überreden mich auf dem Stream spielen zu lassen. Leute fragten mich auch, gegen wen ich als nächstes ran müsse und ich sagte es ihnen – woraufhin sie lachten und mir Glück wünschten. Ich lächelte aber nur zurück und sagte ihnen mit tiefster und ehrlichster Überzeugung, dass ich ihn schlagen werde.
Als das Match anfing, war ich so konzentriert wie noch nie in meinem Leben. Ich bin vorher Sachen durchgegangen, die ich beim casualn einen Tag vorher gegen Tokido bemerkt hatte. Ich nutzte also seine Schwäche für AAs und seine Ungeduld im Kampf aus.

 

 

Das erste Match ging 2:0 an mich, das zweite ging sehr knapp 2:1 an ihn. Nach dem 1:1 sieht man in dem Video das ich den Kopf schüttelte, weil
ich mir selber sagte, dass es mir nichts ausmacht, dass ich eben das Match verloren habe. „Werde ihn dann halt jetzt besiegen“ dachte ich mir.
Und so kam es auch, die erste Runde gewann ich fast mit einem Perfekt, die zweite Runde verlor ich und in der letzten konnte ich ihn sehr genau lesen, was jede Aktion von mir zum Erfolg machte.

Ich gewann das Match und konnte es nicht fassen. Während Halibel und ich uns anschrien kamen schon weitere Spieler und hoben mich wie einen Boxchampion hoch. Es war auf einmal total egal dass es nur ein Computerspiel ist, egal dass ich noch nicht einmal das Turnier gewonnen hatte. Es war nur wichtig, das ich etwas unfassbares geschafft hatte in meinem Hobby, wo ich sehr viel Zeit und Energie investiert hatte.
Dieses Turnier, dieses Match hatten mir gezeigt dass man, solange man die Basics beherrscht, jeden Gegner auf einem Turnier schlagen kann. Was dazukommt ist das viele Deutschland als „Lowtier“ ansehen. Aber auf einmal kommt ein japanischer Topspieler nach Deutschland und wird von zwei Deutschen rausgekickt. Tokido wurde gerade mal Siebter! Es war in meinen Augen ein Weckruf an Europa und hoffentlich auch für die deutschen Spieler, mehr aus ihren Fähigkeiten zu machen. Ich finde es natürlich unglaublich, dass ich Tokido besiegt habe. Ich hätte mich aber verdammt nochmal auch gefreut, wenn es ein anderer deutscher Spieler geschafft hätte. Die Message dahinter hat den Sieg nochmal stark versüßt.

Das war auf jeden Fall mein schönstes und einprägsamstes Match. Danach hat es erstmal gedauert, bis ich mich skillmäßig steigern konnte. Weitere positive Matches, die mir für immer in Erinnerungen bleiben werden, ist der Sieg beim Team Battle beim FFM Rumble letztes Jahr im November. Bis dahin war es üblich, dass die Holländer nach Deutschland kamen und sich die Turniere geholt haben. Im Teambattle besiegten jedoch Halibel und ich das Team Holland mit Momi und MBR im Finale. Am nächsten Tag holte ich mir den 4. Platz im Single Turnier. In diesem Turnier habe ich meine Fähigkeiten sehr stark weiterentwickelt und im nächstem Turnier konnte ich sogar noch einen draufsetzen:  ich gewann das RSD #1 in Holland, nachdem ich Gegner wie Emersion, Mac besiegte und Momi im Finale schlug. Es war mein erstes Turnier das ich gewonnen hatte und deshalb ein Grund zu feiern!

Das letzte Turnier was mir positiv in Erinnerung bleiben wird, ist das RSD #2, welches im März stattfand. Unter den 150 besten europäischen Spieler plus Xian, Dieminion und ChrisG konnte ich den 9. Platz machen. Die 2 Gegner, gegen die ich knapp verloren habe, waren Xian und Luffy. Diese zwei haben auch den ersten und zweiten Platz belegt. Und ich habe Problem X mit einem 2:0 ins Losers geschickt, nachdem er noch zu mir gemeint hatte, das Momochis Cody gegen ihn keine Chance hatte. Jap, das musste ich jetzt einfach erwähnen :rolleyes:.
Eine Sache will ich noch erzählen. Es handelt von meiner ersten Turniererfahrung beim Rumble im Jahr 2010. Es war mein erstes Turnier und ich kannte dort keine Spieler außer Mr.CookTm aka Kristian. Ich bekam nur mit, das Demulant ein richtig krasser Spieler ist (er hat das Turnier am Ende auch gegen Shind gewonnen).

Ich fragte ihn, ob wir mal casualn können und er stimmte nett und freundlich zu. Wir fingen also an zu zocken. Er mit seinem Main Ryu und ich mit meinem Ken, mit dem ich noch nicht einmal Combos draufhatte. Von der ersten Minute an gab er mir böse auf die Schnauze und mit jeder weiteren Minute wurde es mir unangenehmer, gegen ihn zu spielen. Ich dachte mir: „Der langweilt sich doch, ist ja voll peinlich wie du als Boxsack verwendet wirst, geh lieber und verschwende nicht seine Zeit“.

Also stand ich nach 10 Minuten auf und sagte: „Danke, ich mach mich dann. Es ist mir etwas peinlich gegen dich zu spielen. Ich will nicht deine Zeit verschwenden :P„. Demulant guckt mich nur verdutzt an und fragt: „Wieso? Setz dich hin, wir zocken weiter“. Ich war total überrascht: „Wow, sehr coole Community hier! Starke Spieler machen sich hier für die schwachen stark!“ Ich zockte also weitere 10 Minuten gegen ihn, als ich wieder aufstehen wollte um zu gehen, weil es einfach peinlich für mich war. Er erwiderte aber genau das Gleiche wie vorher und so haben wir ca. 30 Minuten gezockt. Ich habe zwar voll auf die Fresse bekommen, dafür aber bemerkt wie cool die Community hier ist. Jeder will weiterhelfen anstatt (wie bei PES) alles für sich zu behalten, nur um seine Gegner fertig zu machen. Das war mein erstes Street Fighter-Turnier und es hat gleich positive Eindrücke hinterlassen. Deshalb bin ich auch wieder gekommen!

 

Wie gehst du das Thema Training an? Jederzeit gleich oder vor Turnieren nochmal anders?

Ich habe zwei Phasen: lange vor einem Turnier oder kurz vor einem Turnier. Egal in welcher Phase ich mich jedoch befinde, ich weiß immer was ich trainieren werde wenn ich das Game anmache. Entweder ich gehe in den Trainingsmodus und übe charspezifische Sachen, bestimmte MUs oder einfach nur meine Reaktion. Oder ich sehe einen Gegner in meiner Liste der gerade on ist, gegen den ich trainieren will. Fast immer sind es dann Endless Lobbies. Nur selten mache ich die Xbox an weil mir langweilig ist, um dann irgendwo herumzudümpeln um meine Zeit zu verschwenden. Deshab kann es auch passieren das ich nach 5-10 Minuten wieder Offline gehe.
Sehr kurz vor Turnieren, meistens 3 Tage davor, setze ich mich intensiv in den Trainingsmodus und gehe alle Chars durch, die mir auf dem Turnier gefährlich werden könnten. Dann kann es auch mal passieren, dass ich 3-4 Stunden an den 3 Tagen im Trainingsmodus verbringe. Verteilt werden die 4 Stunden dann einfach auf den ganzen Tag. Meistens meide ich dann das Online-Spiel in den letzten Tagen, um mich mit meinem Bruder YouGenius an das Offline Gefühl zu gewöhnen.

 

 

Welche(r) kommende Titel reizen bzw. reizt dich ernsthaft und warum?

Natürlich reizt mich der Patch von SSF4. Das Spiel wird immer noch von sehr vielen gespielt, jedoch haben viele es auch schon zur Seite gelegt. Durch den Patch wird hoffentlich wieder ein großer Hype erzeugt, damit neue  und alte Spieler wieder zu den Sticks greifen und vor allem auf die deutschen Turniere kommen.
Was mich auch interessiert, ist das neue Killer Instinct. Ich habe zwar noch nicht viele Videos gesehen aber für mich hat es irgendwie Ähnlichkeiten zu Bloody Roar.
Ausserdem sieht es sehr simpel aus, was mir wie oben erwähnt sehr gefällt. Obwohl es interessant aussieht, hege ich keine Gedanken, es mir mit der Xbox One zu holen. Microsoft hat es mit ihrer Politik bei mir verdorben, da helfen keine Änderungen mehr um doch noch paar Kunden zu retten.

 

Auch du steckst viel Zeit in dein Maingame, um dich zu pushen. Spielst du noch andere Fighting Games neben SF4 und wenn ja, welche?

Zeit ist ein wichtiger Faktor für mich. Würde es nicht so verdammt lange dauern in einem Spiel gut zu werden, würde ich noch andere Bemus spielen. Ich bin aber lieber in einem Game gut als in mehreren Durchschnitt. SFXT hat mich nach den letzten Patches sehr positiv überrascht. Würde es SF4 nicht geben, würde ich wohl das zocken (obwohl ich am Anfang davon sehr enttäuscht war). KOF sieht auch sehr interessant aus, wohingegen ich mit UMVC3 überhaupt nichts anfangen kann.

 

Wo willst du für dich hinkommen in deinem Hobby?

Ich würde gerne dahin kommen, das ein paar deutsche Spieler (darunter mein Bruder und ich) endlich mal gesponsert werden. Für den Anfang würde es reichen, einfach nur ein wenig Spritkosten erstattet zu kriegen oder hier und da mit Hardware unterstützt zu werden. Das Problem dabei ist nicht nur der Skill der Deutschen, der bei 2-4 auf jeden Falls ausreichen würde für ein Sponsoring, sondern auch die Connections. Wenn ich sehe, wieviele Franzosen und einige LLL Spieler die drei Buchstaben „MCZ“ vor ihrem Namen stehen haben, dann weiß ich das es nicht nur auf Skill ankommt. Es gibt genug Turniere wo wir deutschen Spieler die gesponserten Leute rausgehauen oder uns besser platziert haben. Dadurch erhöht sich aber nicht unbedingt die Chance das wir gesponsert werden, Connections sind auch in diesem Bereich des Lebens entscheident.

Neben dem Sponsoring habe ich mir vorgenommen dieses Jahr mein Game aufzuleveln, da ich sechs Monate zwecks Auslandssemester kaum spielen konnte und nicht weiß, wie lange ich noch sorgenfrei zocken kann. Deshalb (und wegen anderen Gründen) leiste ich mir eine eigene Xbox, damit ich nicht nur jedes Wochenende zocken kann und um mein Game aufzuleveln.

TR_Sheva2

Die Spannung ist greifbar.

 

Was wünschst du dir für die deutsche Szene?

Der deutschen Szene wünsche ich etwas mehr Ehrgeiz, mehr Ehrlichkeit und viele Turniere. Viele deutsche Spieler haben nicht diesen Ehrgeiz gut in ihrem Game zu werden. Es ist natürlich für mich in Ordnung, da viele Bemus als ihr Hobby ansehen und es ihr Hobby ist viele Bemus zu zocken, so wie manche viele verschiedene Sportarten betreiben.
Trotzdem würde ich es begrüßen, wenn mehr Leute auch den Ehrgeiz hätten richtig gut in einem Game zu werden. Es muss ja nicht mal Street Fighter sein. Es können auch die anderen Bemus sein, damit eine große, breite Masse an guten Spielern in Deutschland heranwächst. Gibt es viele gute Spieler, werden diese auch neue gute Spieler hervorbringen. Wenn aber wenig bis gar keine Competition da ist, dann ist es fast unmöglich gut zu werden. Man muss auch nicht unebdingt viel Zeit investieren, um auf ein bestimmtes Level zu kommen. Die richtige Trainingseinstellung reicht völlig aus.

Ehrlichkeit und falscher Stolz gehören auch oft zu so einem Thema. Man hat zwar nicht den Ehrgeiz gut zu werden, will aber trotzdem als gut angesehen werden. Dann kommen ausreden wie man spiele ja gar nicht oft (aber ständig online sein), normalerweise tu ich dies und das besser oder neuerdings ist es „mein Mindset war nicht richtig heute“ :D.
Dazu wurde schon viel in den Mindsetartikeln geschrieben, deshalb will ich nicht wieder drauf eingehen. Ich muss aber auch sagen das die Community sich gut weiterentwickelt hat. Die Differenzen zwischen den SF4-Spielern und Oldfags haben aufgehört, soweit ich das beurteilen kann. Auch die Anfängerfreundlichkeit hat wieder zugenommen. Durch verschiedene Artikel wie „Mindset“ oder „Teaching Old Dogs New Tricks“ werden jetzt weitere Bereiche des Lebens angesprochen. Die Brücke zwischen Computerspielen und Persönlichkeit wurde aufgebaut, wodurch HE nicht zum stumpfen Forum zum Combo- und Matchupaustausch verkümmert ist. Ich hoffe und bin auch zuversichtlich das noch weitere, interessante Threads entstehen werden.

Und natürlich wünsche ich mir viele Turniere in Deutschland. Das ist der Platz wo Bemus ihren Zweck erfüllen: Face to Face sich offline mit einem Gegner zu messen. Leute kommen in Gespräche, Spieler lernen sich kennen, Spannung und Adrenalin werden mit Tastendrücken auf- oder abgebaut. Herrlich! Leider wird es immer schwieriger für die Orgas neue Spieler zu locken, weshalb man sich auf die Basisspieler verlassen muss, die aber stetig abnehmen. Ich hoffe das Luigi und Lars wieder Gründe finden, den Fight Club hochzuziehen und andere Orgas ihren Spaß an Turnieren nicht verlieren.

 

Spielst Du abseits von Turnieren mehr online oder hast Du eine Offline-Community greifbar mit denen Du richtig gezielt trainierst?

Eine Offline-Community habe ich in sofern, dass mein Bruder YouGenius im selben Zimmer wohnt wie ich. Somit habe ich einen sehr guten Trainingspartner, der mich immer zu Höchstleistungen bei den Casuals fordert. Manchmal wird auch mit Einsatz gespielt, zum Beispiel wer von uns beiden den Eltern draußen im Garten helfen muss. Sowas erhöht den Nervenkitzel und stellt Turniersituationen optimal nach :P. Die nächsten Spieler die in unserer Nähe wohnen, wären dann wohl Halibel oder paar Jungs aus Frankfurt, was aber immer noch eine Stunde mit dem Auto entfernt ist. Natürlich zocke ich am liebsten offline, aber dadurch das mein Bruder und ich fast immer mit den gleichen Chars spielen, wird es langweilig wenn man sich nicht zu helfen weiß. Also wird häufig auf Online Gaming zurückgegriffen.

 

Zuguterletzt wüßte ich noch gerne, was für dich 2013 ein Highlight für die Community werden könnte (Events, neue Titel, whatever).

Für 2013 ist, soweit ich weiß, noch nicht viel geplant. Deshalb freue ich mich auf das kommende FFM Rumble. Auch wenn eigentlich gar keine Infos vorhanden sind, dürfen wir wohl vom Alo ein Turnier im Herbst erwarten. Da es kein Fight Club oder andere Turniere im Sommer gab (von Tsunami oder Neutrons), bin ich schon allein deshalb auf das kommende Rumble gespannt, vor allem weil die Qualität immer hoch war oder sogar von Turnier zu Turnier gesteigert wurde. Außerdem fand ich die Streams von hadoken.eu immer sehr unterhaltsam und belebend für die Community. Sie haben was zum Quatschen oder zum Vertreiben der Zeit bis zum nächsten Turnier geboten. Schade das es zurzeit pausiert. Ich finde auch diese Interviewreihe sehr interessant. Mir gefallen die Fragen und ich lese mir die Interviews von jedem einzelnen Spieler gerne durch. Ich hoffe nur, man muss in Zukunft nicht immer so lange warten um neue Interviews zu lesen ;).

Ich bedanke mich für das Interview. Ich weiß meine Antworten sind etwas lang geworden, aber nur so konnte ich alles ausdrücken was ich auch gedacht habe.