Ziemlich genau 34 Jahre ist es nun her, dass das renommierte Animationsstudio Nippon Sunrise mit Mobile Suit Gundam eine Serie veröffentlichte, deren kulturschwangerer Erfolg seinerzeit wohl kaum einer voraussagen konnte. Über 43 Folgen lang wurde ein Science-Fiction-Universum aufgebaut, in dem die Earth-Federation einen Krieg gegen das im Weltraum auf künstlichen Kolonien lebende Principality of Zeon führt. Neben Raumkreuzern, wie man sie aus dem zwei Jahre zuvor erschienenden Star Wars kennt, sind zweibeinige, flugfähige Kampfroboter, die von einem einzelnen Piloten gesteuert werden, mit das wichtigste militärische Utensil, was beiden Parteien zur Verfügung steht. Dies traf den Japaner seinerzeit wohl so genau auf den Kopf, so dass Mobile Suit Gundam ein riesiger Erfolg wurde und bis heute durch unzählige Sequels, Kinofilme und natürlich auch Videospiele erweitert wurde. Eins davon, Mobile Suit Gundam: Extreme Vs., ist seit 2010 neben Tekken und Street Fighter IV eine dauerhafte Größe in den japanischen Arcades und seit Ende 2011 auch für die PlayStation 3 erhältlich.

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Anders als die beiden gerade aufgezählten Titel ist Extreme Vs. kein klassisches Fighting Game, sondern wird aus Third-Person-Perspektive gesteuert. Innerhalb eines fest abgegrenzten Areals ist es das Ziel des Spielers und seines Team-Partners, das gegnerische Duo zu besiegen. Versus-Matches werden in Extreme Vs. fast ausschließlich im 2on2 ausgetragen, vergleichsweise mit Tekken Tag Tournament 2, nur das hier permanent alle vier Spieler gleichzeitig zugange sind. Die Konstellation wird dabei standardgemäß dem Zufall überlassen: Jeder Spieler sucht sich vor dem Match einen der über 80 Gundam-Suits aus, die allesamt aus verschiedenen Serien und Filmen des Franchises entnommen wurden. Unterteilt sind diese Suits ihrerseits noch in vier verschiedene Punkte-Kategorien, die darüber Klarheit verschaffen, wie stark der jeweilige Gundam ist. Wer sich für einen 3000er entscheidet, hat in der Regel mehr Lebensenergie zur Verfügung und mächtigere Waffen an Bord als ein 1000er. Diese Einteilung sorgt gleichzeitig dafür, dass ein gewisses Balancing gewährleistet ist, denn ein Duo aus zwei 3000ern führt nicht automatisch zum Sieg. Im jeden Match steht jedem Team ein Gesamtpunktwert von 6000 zur Verfügung, was quasi als gemeinsame Lebensenergie zu verstehen ist. Stirbt dann ein Spieler des Teams, ist bereits die Hälfte der gemeinsamen Kosten futsch. Geht dann noch der Kollege (oder erneut man selbst) drauf, ist die Partie vorbei. Ein Luxus, den sich ein Team mit Suits, die nur 1000 oder 2000 Punkte kosten, also öfter leisten kann. Einsteigern ist daher abzuraten, sofort die mächtigste Klasse zu wählen, da sie von erfahrenen Spielern selbst mit objektiv schwächeren Suits problemlos erledigt werden können. Etwas Übung kann man sich in zwei verschiedenen Modi aneignen. Im Free Battle können ohne Zeitdruck alle Waffen und Funktionen ausprobiert werden, ohne dass sich die Bots, sofern erwünscht, wehren. Eine Herausforderung für Solo-Spieler hingegen stellen die Trials dar, von denen es Dutzende gibt- Besonders ab der zweiten Hälfte ziehen hier viele vom Schwierigkeitsgrad enorm an. Mithilfe von verdienten Erfahrungspunkten könnt ihr einen beliebigen Suit eurer Wahl aufmotzen, um so die Chancen auf einen Sieg zu erhöhen. Positiver Nebeneffekt: Man bereitet sich auf die Matches gegen menschliche Spieler vor.

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Die Steuerung ist mit einem Layout aus vier Buttons, die man zwingend benötigt, recht übersichtlich ausgefallen. Zwei Knöpfe sind für Schusswaffen und Nahkampfangriffe vorgesehen, eine weitere dient dazu, das Ziel zu wechseln. Button Nummer 4 ist für Sprünge und Boost Dashs zuständig. Durch das kombinierte Drücken von zwei Tasten gleichzeitig oder das Ändern der Richtungseingabe können weitere Angriffe eingesetzt werden. In der rechten unteren Ecke wird die verbleibende Munition der Waffen angezeigt und wie lange diese noch zum Wiederaufladen benötigen (was auf nicht jede Waffe zutrifft). Mithilfe einer fünften Funktion ist es möglich, seinem Teampartner automatische oder eigens erstellte Befehle zukommen zu lassen, was die Kommunikation auf dem Schlachtfeld ein wenig erleichtert. Zu diesem Zweck steht auch ein Radar zur Verfügung sowie ein gelber Indikator am Bildschirmrand, der den Spieler darüber informiert, dass er aus der entsprechenden Richtung gerade anvisiert wird. Färbt sich dieser Indikator rot, ist mit näher kommenden Projektilen oder Lasern zu rechnen.

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Selbst gepanzerte Kampfroboter halten längeren Beschuss nicht lange stand, daher sollte mit das wichtigste Tool für das eigene Movement, der Boost Dash, schnell in Fleisch und Blut übergehen. Wird die dafür vorgesehene Taste zweimal hintereinander gedrückt, setzt der Suit zu einem Boost in die gewählte Richtung an. Diese Bewegung kann verlängert werden, wenn man die Taste gedrückt halt oder ein weiteres Mal betätigt, um sich so anschließend in die Luft zu bewegen. Da diese Art der Fortbewegung um einiges schneller und mobiler ist als das normale Laufen zu Fuß, findet das Movement in Extreme Vs. nur auf diese Art und Weise statt. Ewig boosten ist jedoch nicht möglich, da eine eigens dafür zuständige Anzeige sich bei überschwänglichen Gebrauch schnell leert. Wer mit leerer Anzeige wieder auf dem Boden der Tatsachen landet, ist für gut 40 Frames wehrlos und darf damit rechnen, dort vom wartenden Gegner beschossen zu werden. Extreme Vs. fordert vom Spieler daher eher, seinen Fokus auf das Movement zu legen und weniger auf das Lernen von umfangreichen Combos. Über Sieg oder Niederlage entscheiden anderen Faktoren. Wo ist gerade mein Teamkamerad? Über was für Optionen verfügt gerade mein Gegner? Nehmen sie meinen Partner gerade am anderen Ende der Karte auseinander, weil ich in der gegenüberliegenden Ecke dumm herumstehe? Wieviel Boost-Meter hat der feindliche Suit noch übrig, der gerade aus nordwestlicher Richtung auf mich zufliegt. Solche Zoning-Elemente sind es, durch die Extreme Vs. eine gewisse Nähe zu normalen Fighting Games erhält.
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Von der grafischen Seite darf hingegen nicht zu viel erwartet werden. Farblich zwar enorm abwechslungsreich und mit an die Serie angelehnte Levels präsentiert, können Texturen und Detailgrad nicht verbergen, dass Namco Bandai hier nicht ihre aktuellste Engine am Start haben. Das fällt in der Hitze des Gefechts allerdings kaum auf, da man ohnehin nur feindlichen Suits und Lasern Beachtung schenkt. Keine Kompromisse gibt es beim Sound: Originalsprecher und Hintergrundmusik aller Serien lassen das Fan-Herz höher schlagen. Besonders letztere sollten sich den Titel definitiv anschauen, neben der üblichen Einarbeitungszeit in neue Versus-Games jedoch auch eine gute Internetverbindung mitbringen. Da die PS3 über keine Netzwerkfunktion verfügt, sind Matches mit bis zu vier Spielern nur über das Internet möglich. Sofern hier keiner der Beteiligten gerade drei Streams offen hat, leistet der Netcode ausgezeichnete Arbeit und macht flüssiges Spielen problemlos möglich.

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Weitere Links:

HardEdge-Wiki
Unlimited Brett Works
Gundam Versus YT-Channel